Winterthurer Manifest

Das Winterthurer Manifest ist das Grundlagenpapier der Dreiländer-Tagung „Health Universities“. Die drei Trägervereine der Tagung haben es gemeinsam formuliert und verabschiedet. Es reflektiert die aktuelle Reformdynamik in Deutschland, Österreich und der Schweiz und leistet einen Beitrag zu parallelen Initiativen und Diskursen in den drei Ländern.

Es ist eine Antwort auf den sich verändernden Versorgungsbedarf und die Herausforderungen an die Gesundheitsberufe, die daraus resultieren.
Um die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern, wollen Hochschulen im Gesundheitsbereich Lehr- und Lernarrangements schaffen, welche die Kooperationskompetenzen verbessern und die Absolvierenden dazu befähigen, über die Grenzen von Disziplinen, Berufen, Institutionen und Sektoren hinaus zu handeln.

Das Winterthurer Manifest richtet sich an Hochschulen, Amtsstellen und an die Politik. Mit fünf Zielen soll eine bedarfsgerechte Professionalisierung und eine langfristig angelegte Kultur- und Organisationsentwicklung der Hochschulen im Gesundheitsbereich gefördert werden.

Die Hochschulen im Gesundheitsbereich arbeiten strategisch und operativ an der Implementierung interprofessioneller Lernarrangements. Sie fördern die organisatorische, curriculare und didaktische Verzahnung der Lernorte (Hochschule, Klinik, Langzeiteinrichtung, ambulante und häusliche Versorgung) und entwickeln eine entsprechende Kooperationskultur. Sie setzen sich dafür ein, dass sich Lehrende und Praxisbetreuende didaktisch weiterqualifizieren, indem sie ihre interprofessionellen und intersektoralen Kompetenzen entwickeln. Das Modell der Health Universities bietet sich als Leitperspektive an.

Die Hochschulen im Gesundheitsbereich führen Forschungsprojekte zur wissenschaftlichen Fundierung, Entwicklung und Evaluation der professionellen und interprofessionellen Bildung und Praxis durch. Sie arbeiten dabei eng mit Berufsleuten und Praxisbetrieben zusammen und gewährleisten so den Transfer von Forschungserkenntnissen in die Praxis. Zur Förderung solcher F&E-Projekte arbeiten sie in internationalen Forschungsverbunden mit.

Die Hochschulen im Gesundheitsbereich führen berufsqualifizierende Bachelorstudiengänge durch und fördern mit Masterstudiengängen die Berufsentwicklung in Richtung erweiterte, patientenbezogene Praxis (Advanced Practice). Durch eine hohe Methodenkompetenz sowie einem evidenzbasierten Urteilsvermögen sind die Masterabsolventen/-innen befähigt, komplexe und spezialisierte Leistungen in der Diagnostik, Therapie, Beratung, Rehabilitation sowie in Gesundheitsförderung und Prävention selbstständig zu erbringen. Die rechtlichen Bedingungen, insbesondere das Berufs- und Sozialversicherungsrecht, sind dafür so anzupassen, dass die Advanced Practitioners eine bedarfs- und kompetenzengerechte Position im Gesundheitswesen erhalten.
Um den Health Professionals Karrieren in der Wissenschaft zu ermöglichen, schaffen die Hochschulen im Gesundheitsbereich eigene Doktoratsprogramme und kooperieren hierzu ggf. mit universitären Hochschulen.

Die Lehrenden und Forschenden an Hochschulen im Gesundheitsbereich bilden ein internationales Netzwerk und eine interprofessionelle Scientific Community. Zusammen mit den Partnern in der Lehre und Praxis wird eine Plattform geschaffen, um über die Leitperspektive einer Health University zu debattieren und den Erfahrungsaustausch zu pflegen.
Die Hochschulen setzen sich dafür ein, dass das Potenzial international erprobter Modelle von interprofessioneller Bildung erkannt wird. Sie stärken die Akzeptanz des Health-University-Konzeptes bei gesundheits- und bildungspolitischen Instanzen sowie in der interessierten Fachwelt.

Die Gesundheits- und Bildungspolitik sowie die Förderagenturen schaffen Programme für die Bildungs- und Versorgungsforschung, die der Leitperspektive einer Health University entsprechen. Damit kann die Evidenzlage zur Wirksamkeit interprofessioneller Bildung und Praxis massgeblich verbessert sowie der Nutzen und die Relevanz der Kooperationskompetenzen dokumentiert werden.

Den vollständigen Text des Winterthurer Manifests können Sie hier als pdf herunterladen:
Das vollständige Winterthurer Manifest als pdf